Zum Abschied verwöhnen uns Guido und Liliana noch mal mit einem köstlichen Frühstück und wir machen uns auf den Weg nach Las Flores. Wir wundern uns über den vielen Verkehr, auch ist in Iglesia alles neu gepflastert. In Las Flores ist die Hölle los, es wird Stadtgründungsfest gefeiert. Zimmer gibt es natürlich auch keines, aber wir dürfen im Garten des Hostels zelten. Eine Prozession zieht durch den Ort mit Musikkapellen, Schüler- und Studentenabordnungen, schrottreife Rallyefahrzeuge und eine Menge Gauchos. Die Hufe ihrer Pferde reissen Fetzen aus der nagelneuen Teerdecke, die wohl etwas zu dünn geraten ist.
Am nächsten Morgen brechen wir um halb acht auf um endlich den Paso Agua Negra zu bezwingen. An der Grenzstation erkundigen sich die Beamten genauestens, ob wir auch wissen, was da auf uns zu kommt. Die Straße ist deutlich besser als vor zwei Jahren, zum Teil neu geteert, allerdings genau wie in Las Flores hauchdünn, lange wird die Pracht nicht halten. Es wird aber weiter am Ausbau der Strecke gearbeitet, der Teer reicht jetzt schon bis 5 km hinter die guardia vieja. Unser Zeltplatz am ojos de agua (55km ab Las Flores) ist nicht wieder zu erkennen. Wasser gibt es auf der Strecke genug, wir haben es das letzte Mal schon ohne erkennbare Folgeschäden getrunken und so füllen wir es auch jetzt wieder ungefiltert in unsere Flaschen. In der Nacht kommt Wind auf, Gott sei Dank aber nicht ganz so stark wie 2010 und so können wir in der Früh unseren Weg fortsetzen. Mehr als 5-6 kmh zeigt der Tacho selten. Die Landschaft ist von karger aber gigantischer Schönheit, alles strahlt in intensiven Ocker und Rottönen. Nach 21 km auf ca. 4100 m Höhe schlagen wir noch einmal unser Zelt auf. Kaum sind wir fertig taucht die Gendarmerie auf. Wir befürchten schon, dass sie uns vertreiben, aber sie erkundigen sich nur besorgt, ob wir auch genug warme Sachen für die Nacht haben. Vorsichtshalber notieren sie unsere Namen und fotografieren uns. Als wir um halb sechs aufstehen ist auch wirklich eiskalt, aber wenigstens halbwegs windstill. Die Straße zieht sich am Berg entlang, dann eine Kehre und es geht wieder etliche km in die andere Richtung. Bald überholen uns die Polizisten von gestern und sie scheinen erfreut zu sein, dass wir überlebt haben. Wir fahren durch die bizarren Eisformationen, Büßer genannt.Bei der letzten Kehre vor der Passhöhe setzt brutaler Wind ein und mich weht es erst mal um. Die letzten 2 km muss ich schieben. Aber dann ist es geschafft!
Wir stehen auf der Passhöhe! Die offiziellen Angaben zur Höhe schwanken zwischen 4753 und 4779m, aber egal, auf jeden Fall ist es eiskalt und extrem windig, sodass wir uns nicht lange aufhalten. Die Abfahrt ist sehr steil und sehr holprig aber landschaftlich ein Traum. Hier auf der chilenischen Seite sind die Berge noch farbiger, es geht durch enge Schluchten vorbei an Eisformationen, an kleinen Bächen gesäumt von etwas Grün entlang. Am Stausee La Laguna verbringen wir die Nacht wieder im Zelt. Von hier bis zur Grenzstation sind es noch 35 km, dann hat uns die Zivilisation wieder.