Am nächsten Morgen verlassen wir die Stadt Richtung Norden, zunächst herrscht noch reger Verkehr und ziemlich viel Trubel, aber schon nach zehn Kilometern sind wir ganz allein auf der schnurgeraden Straße, links und rechts nur Gestrüpp und der unvermeidliche Plastikmüll. Nach vierzig Kilometern wird die Straße steiler und nach 55 km erreichen wir endlich die Termas de Villavicencio, wo noch immer Argentiniens berühmtestes Mineralwasser abgefüllt wird. Das 1940 erbaute und mittlerweile dem Danone Konzern gehörende Hotel ist seit Jahren geschlossen. Seitdem gehen immer wieder Gerüchte, dass es renoviert und erweitert werden soll, aber im November 2012 sieht es nicht danach aus, dass das in Kürze passieren könnte. Der dazugehörige Park ist allerdings  nach wie vor bestens gepflegt und die Osteria an der Straße ist zumindest tagsüber geöffnet und verwöhnt uns mit Empanadas und einer riesigen Schinkenplatte. Als wir den Hauptgang, Zicklein mit Süßkartoffeln, abbestellen wollen, weil das alles gar nicht zu schaffen ist, sagt uns der Ober, wir sollen alles einpacken fürs Abendessen und morgen zum Frühstück. Wir dürfen unser Zelt im Garten hinterm Haus aufschlagen, wo es sogar ein Klohäuschen gibt, das wir, beim Versuch die Klospülung zu reparieren, erstmal unter Wasser setzen. Aber eine Reinigung hat sowieso nicht geschadet.

 

In der Früh geht es auf der nunmehr ungeteerten Straße steil bergauf und es bieten sich immer wieder traumhafte Ausblicke zurück auf die Thermen. Eine Herde Vicuñas kreuzt unseren Weg. Nach 30 km erreichen wir endlich das Cruz de Paramillo auf 2900 m Höhe. Bunte Felsen, staubtrockene Landschaft, aber in der Ferne kann man schon die saftig grüne Ebene von Uspallata erkennen.

 

Eigentlich bietet Uspallata nicht viel, aber anscheinend setzt man doch auf zunehmenden Tourismus, denn überall werden hübsche Capañas, Ferienhäuschen, gebaut. Die Hauptattraktion der Stadt liegt ein wenig außerhalb Richtung Norden: die Bóvedas. Hier haben schon die Incas Gold und Silber geschmolzen, später dann die Jesuiten. Ansonsten bieten sich Ausflüge in die umliegenden Berge an.

 

Wir nehmen samt Rädern den Bus nach Puente del Inca, auf 2720 m an der Straße nach Chile gelegen. Die natürliche Brücke über den Rio de las Cuevas schillert in Gelb- und Orangetönen von den Schwefelablagerungen des Wassers. Vom einstigen Thermalbad, dem die wundersamsten Heilkräfte zugeschrieben wurden, stehen nur noch Ruinen nach einem Erdrutsch in den 1940er Jahren.

 

Ein Kilometer passabwärts liegt ein kleiner Friedhof, Cementerio Andinista, wo die am Aconcagua Verunglückten begraben liegen, darunter auch etliche Deutsche. Makaber mutet es uns an, dass man wohl schon vorsorglich ein paar Gräber ausgehoben hat, nun ja die Bergsteigersaison beginnt gerade.

 

Wir rauschen auf unseren Rädern zurück nach Uspallata, vorbei an der Skistation von Penitentes. Am Ortseingang treffen wir auf eine Gruppe kleiner Rennradler, Nachwuchs für die Tour de France 2022.