Die Strecke nach La Serena, ist etwas nervig, ständiges auf und ab gegen den Wind und viel Verkehr. Warum die Stadt den Beinamen "die Heitere" trägt erschließt sich uns nicht ganz. Ein paar wenige hübsche Gebäude und ein sehr häßlicher Strand.
Ursprünglich wollten wir auf der Panamericana bis Valparaíso radeln, aber zumindest auf dem chilenischen Abschnitt dieser berühmten Straße ist nichts von ihrem angeblichen Zauber zu spüren. Eine vierspurige Autobahn mit viel LKW-Verkehr. Außerdem ist es hier an der Küste fast immer neblig und bewölkt. Wir beschließen daher weiter im Landesinneren zu fahren, über Ovalle, Combarbalà und Illapel und werden mit strahlend blauem Himmel und vielen Bergen belohnt. Unterwegs gibt es genug Einkehrmöglichkeiten, in manchen wird sogar deutsch gesprochen. Als wir dann erfahren, dass die Hunde des Hauses "Fuchs" und "Rommel" heißen wird uns doch ein bisschen komisch zumute. Aber der Blaubeerkuchen war wirklich sehr gut.
Zwischen Ovalle und Combarbalà hält uns ein LKW-Fahrer auf und will uns unbedingt "seine" Weintraubenfarm zeigen. Also laden wir unsere Räder auf die Ladefläche und los gehts. In der Kantine müssen wir Mittagessen und wir sollen in seiner Wohnung ausruhen. Diese "Wohnung" toppt alles, was wir in Indien und Pakistan gesehen haben und so verabschieden wir uns sehr schnell, werden aber doch n och mit einer Wochenration Weintrauben eingedeckt.
Combarbalà ist ein kleiner, aber recht hübscher Ort, sogar mit einer Fußgängerzone. Da das Hotel Yagnam so angenehm ist bleiben wir gleich für zwei Nächte und genießen ein klasse Essen im Roxy-Restaurant, in das wir uns fast nicht getraut hätten, weil es von außen ziemlich grauslich ausgeschaut hatte. Da sieht man mal wieder, dass es auf die inneren Werte ankommt.
Kurz vor Illapel besichtigen wir noch den Parque de Chinchillas. Hier leben die letzten frei lebenden Chinchillas Chiles. Da sie nachtaktiv sind können wir sie nur im abgedunkelten "nocturama" sehen, zusammen mit einigen Mäuse- und Rattenarten.
Südlich von Illapel geht es durch eine wunderschöne Schlucht entlang des Rio Illapel. Überall entlang der Straße blüht es, wilde Karden und Riesendill. Dann sind wir wieder zurück auf der Panamericana. Kurz vor Melon teilt sich die Straße, entweder man fährt durch das Tunnel auf einer engen Spur ohne Seitenstreifen zusammen mit hunderten von rasenden LKWs oder man nimmt den Umweg über die Bergstraße.
Peter protestiert zwar heftig, aber ich trete schon fleißig bergauf. Es dauert auch nur eine gute halbe Stunde (und nicht zwei, wie Peter vermutet hatte) und wir haben die Passhöhe erreicht. Hier erwartet uns wieder eines dieser Autofahrerheiligtümer. Jeder, der vorbei fährt hupt und bekreuzigt sich.
Auf der Panamericana stehen jetzt überall Schilder "Radfahren verboten", was wir zunächst einfach ignorieren, bis uns ein Polizist aufhält, weil es angeblich viel zu gefährlich sei, und uns auf eine kleine Landstraße schickt. Die ist unseres Erachtens allerdings viel gefährlicher, denn der Verkehr ist der gleiche nur mit weniger Platz. Wir erreichen dann doch heil Viña del Mar und von dort führt uns ein abenteuerlicher Radweg nach Valparaíso.
Die Strecke von La Serena bis Valparaíso betrug 521km und reichlich Höhenmeter.
Die UNESCO Weltkulturerbestadt ist in einigen Bereichen durchaus reizvoll, in anderen eher ein besserer Slum. Zur Straßenseite hin sind viele Häuser hübsch gestrichen, die Hinterseite darf man halt nicht anschauen.