Nach einer zehnstündigen Busfahrt erreichen wir Arequipa, die weisse Stadt. Wir wohnen im Casa de Avila www.casadeavila.com, sehr hübsch, ziemlich zentral und ruhig! Und sehr persönlich. Als wir nach einer knappen Woche abreisen verabschiedet sich die Hausdame von uns als ob wir liebe Verwandte wären.
Den ersten Vormittag verbringen wir nur mit Geldabheben und Telefonkarten kaufen. In Bolivien war das eine Sache von Minuten, hier geht erstmal gar nichts. Wir wissen nicht woran es liegt, erfahren aber von anderen Touristen, dass es Ihnen nicht besser ergangen ist. Mit der Zeit finden wir heraus, dass die ATMs der Bank of Scotia gewillt sind uns Geld zu geben und nach zwei Tagen funktioniert auf einmal die Handykarte.
Die meisten Gebäude der Altstadt sind aus Sillar gebaut, ein weisser marmorähnlicher Stein, der aus Vulkanasche entstanden ist. Man hat herausgefunden, dass dieser Stein für die örtlichen Gegebenheiten optimal ist, denn er ist bei aller Festigkeit flexibel genug die täglich stattfindenden Erdbeben abzufedern.
Arequipa bietet viele Sehenswürdigkeiten wie z.B. die Kathedrale oder andere Kirchen, aber unbedingt hervor zu heben sind das Monasterio de Santa Catalina und das Museo Santuarios Andinos.
Das Kloster nimmt einen ganzen Block ein und wurde 1580 von einer reichen Witwe gegründet. Das Innere bietet einen phantastischen Einblick in das Leben der Nonnen, die alles andere als arm waren. Aufgenommen wurde auch nur wer Wertgegenstände mitbringen konnte. So hatten auch die meisten Nonnen eine Bedienstete, die sich in der zur Zelle gehörigen Küche und im Hof um deren "Haushalt" kümmerte. Wunderschön ist das Farb- und Lichtspiel in den blauen und roten Kreuzgängen.
Im Museo Santuarios Andinos erfährt man einiges über die Lebensgewohnheiten und Bräuche der Inkas und hier liegt auch in einem gläsernen eisgekühlten Sarg "Juanita", The Icemaidn. 1992 entdeckte der peruanische Bergsteiger Miguel Zárate auf dem Nevada Ampato (6310m) Holzreste, die an eine Grabstätte erinnerten und konnte drei Jahre später den Archäologen Johan Reinhard für eine Expedition gewinnen. Sie fanden den fast vollständig erhaltenen und in Tücher gewickelten Körper eines jungen Mädchens, das vermutlich zur Besänftigung der Berggötter geopfert worden war.
Rund um die schöne Plaza de Armas und in den Seitenstraßen kann man phantastisch essen, allerdings auch nicht ganz billig und immer mit hauptsächlich europäischen und amerikanischen Touristen. Etwas authentischer geht es da im Viertel Yanahuara zu. Hier gibt es viele kleine "picanterias", die köstliche Mittagsgerichte anbieten und man ist fast nur von Einheimischen umgeben.
Von Arequipa aus bietet sich ein Ausflug zum Colca Canyon an, der angeblich tiefsten Schlucht der Welt, was aber auch ein wenig an den eigenwilligen Messmethoden der Peruaner liegt. Eigentlich wollten wir uns in der gleichnamigen Agentur nur nach den besten Transportmöglichkeiten erkundigen, haben dann aber doch eine "drei Tage/zwei Nächte"-Tour gebucht (US$ 246,--). An sich ist das alles problemlos auf eigene Faust zu machen, aber halt etwas zeitintensiver. Wir sind eine lustige internationale Truppe bestehend aus Australiern, Holländern, Italienern, Schweizern und Spaniern. Erster Stopp ist in der Reserve de Salinas, wo wir eignes über Alpakas, Guanacos und Vicuñas lernen, außerdem über die Heilpflanzen der Indios und die Steinformationen der Gegend. In Chivay werden die ganzen Touristenbusse von einigen Restaurants verköstigt, aber trotz des Andrangs ist das Essen hervorragend. Wie geologisch aktiv die ganze Gegend ist zeigt sich in Pincholla, das am Rande eines Grabenbruchs liegt und der Boden des Tals sinkt und sinkt. Wir übernachten in der edlen Colca Trek Lodge, die bisher leider nur für Kunden von Colca Trek Tours zugänglich ist. Am nächsten Morgen geht es dann in aller Früh zum Cruz del Condor und wir sind wirklich die ersten dort und es kreisen wirklich einige Kondore über uns. Gigantisch! Als dann eine Stunde später die Massen eintreffen verziehen sie sich. Glück gehabt!
Von Cabanaconde aus steigen wir 1200 hm steil ab hinunter in den Canyon, unser Gepäck wir von einigen Mulis transportiert. Nach zweieinhalb Stunden staubigem Schotterweg steht man dann in einer Oase mit guesthouses und pools, alles ein bisschen unwirklich, aber sehr schön. In der Oase Sangalle wurde bis vor wenigen Jahren hauptsächlich tropisches Obst angebaut, aber mittlerweile lässt sich mit den Touristenströmen deutlich mehr Geld verdienen. Wer dort unten übernachtet sollte unbedingt mal mitten in der Nacht aufstehen und den gigantischen Sternenhimmel bewundern. Den können wir sowieso genießen, denn um 4:15 Uhr heißt es frühstücken und dann sich gleich auf den Weg machen hinauf nach Cabanaconde. Den Aufstieg möglichst früh in Angriff zu nehmen empfiehlt sich, denn ab zehn Uhr wird es einfach zu heiß. Auf dem Rückweg nach Arequipa besuchen wir noch heiße Quellen, bewundern vom höchsten Punkt der Straße aus die Vulkane Ampato, Sabancaya, Hualca Hualca und Mismi, sehen Viscachas, kleine, langschwänzige Kaninchen und die am langsamsten wachsenden Pflanzen der Welt, Yareta. Insgesamt eine tolle Tour, aber wie bei all diesen organisierten Sachen halt immer etwas Gehetze.