La Paz, der Regierungssitz Boliviens (Hauptstadt ist Sucre), liegt auf 3200 bis 4100 müM. Mit den Vororten wohnen hier ca. 2 Millionen Menschen. Der Flughafen der Stadt befindet sich auf dem Altiplano im Stadtteil El Alto auf über 4000m. Wir kommen morgens um drei an und ärgern uns als erstes, dass das bestellte Taxi nicht da ist. Zum Glück warten genügend andere. Für umgerechnet € 4,-- geht es gut 500 Höhenmeter bergab zu unserem Hotel Estrella Andina. Der Nachtportier weiß auch nichts von unserer Buchung, obwohl wir in regem email Verkehr standen. Aber kein Problem, es sind genügend Zimmer frei.
Der erste Tag dient in erster Linie der Akklimatisation. Kopfweh und Kurzatmigkeit lassen sich hier kaum vermeiden, wenn man einfliegt.
In den Gassen rund um die Plaza San Francisco bis hinauf zum Zentralfriedhof reiht sich ein Marktstand an den anderen. Besonders interessant ist der Mercado de Hecheria, der Hexenmarkt. Hier kann man Kräuter, Tinkturen und Pastillen gegen sämtliche Plagen der Menschheit erwerben, zudem Amulette und Glücksbringer bis hin zu mumifizierten Lamaembryos, die man unbedingt für den Hausbau benötigt. Unter jeder Ecke des Fundaments wird eines vergraben und soll so das darüber errichtete Haus vor aller Unbill bewahren. Die Marktfrauen sind allerdings nicht besonders zugänglich, die Bitte um eine Fotogenehmigung lehnen sie strikt ab und wenn man es von weitem mit dem Tele versucht fliegt einem schon mal eine Kartoffel oder ein Laib Brot um die Ohren.
Da sich die Stadt über annähernd 1000 Höhenmeter erstreckt und die engen Gassen im Verkehr ersticken kam Evo Morales, der derzeitige Präsident Boliviens, auf die glorreiche Idee von der österreichischen Firma Doppelmayr eine Seilbahn bauen zu lassen. Die rote Linie war bei unserem Besuch bereits fertiggestellt und wir konnten in wenigen Minuten vom zentralen Busbahnhof nach El Alto schweben. Zwei weitere Linien in die tiefer gelegenen Stadtteile sollen Ende 2014 eröffnet werden. Oben in El Alto wohnen fast ausschließlich Indios und wir geraten mitten in einen Festumzug der Bäckerinnung zu Ehren ihres Schutzpatrons San Nicolas. Dieser ist anscheinend auch anderen Verarbeitungsmöglichkeiten des Getreides aufgeschlossen, denn sein Abbild wird flankiert von zwei Whiskyflaschen. Und auch die Feiernden genehmigen sich zwischen den Musik- und Tanzeinlagen immer wieder ein Schlückchen Bier oder Schnaps, ein kleiner Teil davon wird immer auf die Erde geschüttet, Pacha Mama, Mutter Erde, will schließlich auch was haben.
Aber auch ohne Festumzug lohnt eine Fahrt hierauf, denn man genießt einen wunderbaren Blick über die ganze Stadt und die schneebedeckten Gipfel des Illampu (6427m) und des Illimani (6402m).
Auf Höhe der Mittelstation der Seilbahn befindet sich der Zentralfriedhof. Hier werden die Toten geordnet nach Berufszugehörigkeit bestattet, so ruhen z. B. die verstorbenen Mitarbeiter der ehemaligen, staatlichen Fluggesellschaft in einem Mausoleum, das einem Tower nachempfunden ist.
An der Plaza Murillo befinden sich die Kathedrale, schlicht, aber eindrucksvoll, und diverse Regierungsgebäude. Besonders auffällig ist die Uhr am Präsidentenpalast, sie geht rückwärts. Warum? Keine Ahnung!
Am nächsten Tag nehmen wir einen "Expressbus" nach Ovejuyo, um eine Wanderung durch das Valle de las Animas zu machen. Mit dem Express ist es allerdings nicht weit her, denn wie fast überall in Südamerika bedienen die Busse keine festen Haltestellen, sondern man stoppt sie per Handzeichen, woimmer man ein- oder aussteigen möchte, was leider oft dazu führt, daß einer an der einen Straßenecke einsteigt und der andere an der gegenüberliegenden aussteigen will, und so kann sich so eine Busfahrt ganz schön in die Länge ziehen. Irgendwann erreichen wir dann doch unseren Ausgangsort und wandern hinauf zum Pass Uni und von dort auf zum Teil recht undeutlichen Pfaden zum Aussichtssattel. Dort beginnt dann das wahre Abenteuer, der Abstieg ist extrem steil, ein Weg überhaupt nicht mehr erkennbar und zu allem Überfluss zieht auch noch ein Gewitter auf. Wir schauen, dass wir so schnell wie möglich wieder ins Tal kommen und sind trotz bester Regenkleidung bald nass bis auf die Haut. Schön war es trotzdem.