Die Route und ein paar Fakten

2006 fuhren wir im September/Oktober mit dem Fahrrad durch Nordpakistan, von Islamabad auf dem Karakorum Highway (kurz KKH) bis zur chinesischen Grenze am Khunjerab Pass, auf dem selben Weg zurück bis Besham und von dort durch das Lower Swat Tal bis Peshawar, landschaftlich ein Traum, was die Leute anbelangt zum Teil ein Alptraum. Erschwerend kam hinzu, dass am zweiten Tag unserer Reise der Ramadan begann und zwölf Stunden Hunger und Durst am Tag stimmten die sowieso Fremden gegenüber feindlich eingestellten Pakistani in Kohistan und im Swat Tal nicht gerade freundlicher. Wir wussten, dass der Fastenmonat nicht gerade die günstigste Reisezeit ist, aber für eine Fahrt auf dem KKH gibt es nur zwei kurze Zeitfenster jährlich: Mai und Juni, wo es aber oft trüb und diesig ist, dann beginnt die Regenzeit, und September/Oktober, ab November fällt oft schon reichlich Schnee und der Pass wird gesperrt. Aus fototechnischen Gründen entschieden wir uns für den Herbst und die Luft war wirklich jeden Tag unglaublich klar. Selbst in den Gebieten, in denen die Einheimischen Fremden gegenüber sehr freundlich sind, ist Reisen im Ramadan oder Ramzan, wie die Pakistani sagen, nicht wirklich ein Vergnügen. Es wird nämlich die Nacht zum Tag gemacht, in der Früh um zwei werden criquet matches auf der Straße abgehalten, ganze Familienclans treffen sich zum Essen und Feiern mitten in der Nacht, an Schlaf ist da manchmal nicht zu denken.
Der KKH wurde in den sechziger und siebziger Jahren mit Hilfe der Chinesen in das Karakorum Massiv gesprengt. Als wir 2006 entlang fuhren, war die Straße größten Teils mehr oder weniger Schotterpiste, aber die Chinesen waren wieder fleißig am Vermessen, denn sie wollten den KKH bis zum Jahr 2013 z.T. vierspurig ausbauen. Natürlich mit dem Ziel ihre Waren mit ihren riesigen Gigalinern schnell zum Hafen nach Karatschi zu bringen und von dort in den ganzen asiatischen Raum. 2010 kam es allerdings zwischen Karimabad und Gulmit zu einem gigantischen Erdrutsch, in dessen Folge der KKH in einem 22 km langen Stausee verschwand (in google maps ist der KKH deshalb unterbrochen), mittlerweile bauen die Chinesen aber wieder weiter und wollen das Problem wohl mit einem Tunnel lösen. Mehr Infos dazu gibt es unter www.spiegel.de/wirtschaft/china-baut-karakorum-highway-quer-durch-pakistan-aus-a-844237.html.
Es war also trotz der etwas schwierigen Umstände gut, dass wir das Ganze 2006 angegangen sind, denn so wie wir den KKH erlebten wird er nach dem Ausbau sicher nicht mehr sein. Zudem ist die politische Lage in Pakistan mittlerweile etwas schwierig geworden und den Nanga Parbat und andere Himalaya Größen mal ganz aus der Nähe zu sehen ist schon etwas ganz besonderes.