Einen Teil unseres Gepäcks lassen wir in unserer Unterkunft und nehmen nur das Nötigste, wie Schlafsack, trockene, warme Sachen zum Wechseln und Proviant mit. Ab Sost sind es bis zur Passhöhe gute 90 km und ca. 1900 hm. Das werden wir bei der dünnen Luft in einem Tag nicht schaffen, aber ein Radler hat uns erzählt, dass man 20 km unterhalb des Passes bei den Parkrangern übernachten könnte. Das werden wir probieren. Zunächst ist die Strecke entlang des Khunjerab River sehr karg, aber bald werden die Bäume mehr und die strahlen in den schönsten Herbstfarben, eine wirklich atemberaubende Landschaft. Am späten Nachmittag erreichen wir den Checkpoint Kukshal, wo zwei Ranger den ganzen Sommer über in einer winzigen Zweiraumhütte ohne Wasser und Strom hausen. Einmal im Monat bekommen sie aus Sost eine Lieferung Kartoffeln, Gemüse und Mehl. Aber die beiden freuen sich riesig über unsere Gesellschaft, bereiten uns gleich Tee und am Abend teilen sie frisch gebackene Chappati und Gemüse mit uns, dann kriechen wir um sieben Uhr in unsere Schlafsäcke, die wir wie die Ranger im Nebenraum auf dem Boden ausbreiten. Wir können uns morgen wieder auf ein richtiges Bett freuen, aber die zwei müssen noch eine Weile hier bleiben.

 

Am Morgen kommen wir noch einmal in den Genuss frischen Fladenbrots, draußen ist alles gefroren. Wir verabschieden uns von unseren Gastgebern, die sich sehr über unsere "Spende" freuen und erklimmen die vielen Kehren bis zur Passhöhe. Oben werde ich sofort von zwei freundlichen, chinesischen Grenzbeamten in den Arm genommen und fotografiert. Ob das nun aus Freude über eine Radlerin geschieht oder doch aus Überwachungsgründen kann ich nicht sagen, uns ist es auch egal. Es sind noch andere Reisende oben und auch unsere Ranger kommen auf ihrer Patrouillenfahrt vorbei. Voller Neid blicken wir auf den perfekten Flüsterasphalt auf der chinesischen Seite, wir dürfen dagegen wieder 90 km bergab holpern. Chinesen und Pakistani betonen sehr gerne ihre "ewige Freundschaft", aber so ganz sicher sind sie sich anscheinend doch nicht und so ist die gesamte Grenze mit einem zweiläufigen Elektrozaun gesichert. Wir genießen noch einmal den Blick über die Passhöhe (offizielle Angaben schwanken zwischen 4.733 m und 4.934 m, hoch ist er auf jeden Fall) und dann rollen wir wieder zurück nach Sost. Jetzt fällt uns erst auf wieviel Höhe wir in diesen beiden Tagen gemacht haben. Für mich ging jedenfalls ein Lebenstraum in Erfüllung.