Nanga Parbat

 

Wir fahren bis Raikhot Bridge, von wo die Straße nach Tato Village am Fuße des Nanga Parbat abzweigt. Eigentlich wollen wir im Hotel Shangrila an der Kreuzung übernachten, das uns vom 
Tourismusbüro wärmstens empfohlen wurde. Dummerweise haben diese vielbeschäftigten Herren nicht mit bekommen, dass das Hotel seit über zwölf Jahren geschlossen ist. Die Straße nach Tato ist eine supersteile Schotterpiste und so beschließen wir nicht zu radeln, sondern einen Jeep anzuheuern. Während wir auf unseren Transport warten, kommt ein Radfahrer zur Kreuzung. Ein junger Mann aus Bremen, der den KKH bis Kashgar in China gefahren ist und nun wieder zurück fährt.

Unsere Räder werden in Garagen am Straßenrand gesperrt, unsere Satteltaschen auf den Jeep geschmissen und dann rumpeln wir die Straße oder besser gesagt den Gebirgssteig hinauf. Es war auf jeden Fall eine weise Entscheidung nicht mit dem Rad hier rauf zu fahren. Oben angekommen muss ich leider einen Verlust beklagen, eine meiner Taschen ist weg. Sie ist wohl auf der Rütteltour vom Jeep gefallen. Gott sei Dank war nur Proviant und ein Handtuch drin.

Wir quartieren uns in einer der winzigen Hütten ein und einer der jungen Männer dort ernennt sich sofort zu unserem "guide". Er löchert uns sofort mit Fragen über Deutschland und vor allem wie es dort so zwischen Männern und Frauen läuft. Er will unbedingt eine Europäerin heiraten, am besten aus Deutschland, dann im Sommer hier in Tato leben und im Winter in Europa. Wer also gerne den Sommer ohne Strom, fließend Wasser, versteckt in einer kleinen Hütte auf 2500 m.ü.M. verbringt und sich den ganzen Tag herum kommandieren lassen will, ich stelle gerne den Kontakt her.

Am nächsten Tag steigen wir nach  Fairy Meadows auf, der Märchenwiese. Der Weg ist extrem steil, aber schon bald erhaschen wir den ersten Blick auf den Nanga Parbat. Unser Führer prahlt die ganze Zeit mit den ungeheuerlichsten Geschichten, wir lassen ihn quatschen. Fairy Meadows ist ein ausgedehntes Plateau mit einigen Ferienhütten und einem kleinen Dorf, in dem man aber nicht fotografieren darf. Die Menschen hier sind extrem gläubig und somit ist das Abbilden menschlicher Gestalten verboten. Zum lunch serviert uns unser Hüttenwirt, sicher mit knurrendem Magen, ein hervoragendes dhal (Linsen) mit Reis und chappati. Wir laufen ein bißchen in der Gegend herum und genießen die atemberaubenden Ausblicke.

Wir stehen sehr zeitig auf um den Sonnenaufgang zu fotografieren, danach haben wir uns mit Dilbar verabredet, um zum Basislager aufzusteigen. Er kommt mit einer guten Stunde Verspätung. In einer der Ferienhütten auf dem Weg treffen wir eine Gruppe junger Deutscher, die zum Bergsteigen hier sind und uns ihr Leid über die Unzuverlässigkeit und Geldschneiderei der hießigen Trekkingveranstalter klagen. Unserem selbsternannten Führer dauert unser Gespräch offensichtlich zu lange und er setzt sich mit ein paar seiner Freunde einfach ab. Wir erkunden die Gegend dann auf eigene Faust und steigen am Abend wieder zu unserer Lodge in Tato ab, wo wir dann einen gravierenden Anfängerfehler begehen. Weil wir am nächsten Morgen sehr früh runter zur Straße wollen zahlen wir Dilbar gleich und müssen dann ziemlich streiten, dass wir noch Abendessen bekommen. Wir lernen daraus: in Zukunft gibt es erst Geld nach vollständig erbrachter Leistung.

Unser für den frühen Morgen bestelltes Taxi kommt natürlich auch mit einer guten Stunde Verspätung und lädt dann noch das halbe Dorf ins Taxi. Ist ja praktisch, wir haben es bezahlt, da können leicht noch sechs Mann mitfahren. Übrigens alle hier träumen davon eine Europäerin zu heiraten.